Mona Okroy-Hellweg
Public Relations Manager
IVAM Microtechnology Network
May. 20, 2020
Innovation/Technology
Mona Okroy-Hellweg
Public Relations Manager
IVAM Microtechnology Network

Deutsche Photonik-Unternehmen können nach der Coronakrise weltweit ganz vorn dabei sein!

Optence beschäftigt sich ja intensiv mit aktuellen Themen der Optik und Photonik-Industrie. Was sind aus Ihrer Sicht die derzeit größten Trends und welche halten Sie für vielversprechend?

Die Miniaturisierung ist ein wichtiger Trend in der Branche. Mikrooptiken spielen eine entscheidende Rolle in der Realisierung zahlreicher Anwendungen, beispielsweise im Automotive Bereich, in der Sensorik und natürlich in der Unterhaltungselektronik – etwa bei den Handykameras. 

Weitere wichtige Themen sind Digitalisierung und darüber hinaus die intelligente Verwendung von Daten, Stichwort KI. Hier werden sowohl Produkte aus dem Bereich Photonik, besonders der Sensorik, benötigt, aber auch innovative, intelligente Fertigungsverfahren in der Photonikbranche durch Digitalisierung und KI ermöglicht. 

Der Fördermittelgeber unterstützt aktuell sehr die Quantentechnologie, die natürlich auch für die Photonik zukünftig ein wichtiger Trend werden kann.

Gibt es auch Ihrer Sicht auch Potenzial für bislang noch nicht erschlossene Bereiche? Also zum Beispiel Branchen, Märkte/Geschäftsfelder, die Ihrer Einschätzung von den benannten Trends ebenfalls profitieren könnten, in denen aber aktuell noch keine oder kaum/zu wenig Anwendungen stattfinden? 

Es gibt Mega- und Subtrends, die auf die Photonik herunter gebrochen werden können. Wir wollen im Laufe des Jahres eine „Photonics Road Map“ erarbeiten, in der genau das für die Themenkreise unserer Mitglieder getan werden soll.

Momentan findet gerade das Geschäftsfeld „Green Photonics“ viel Beachtung. Hier wird in Zukunft noch sehr viel mehr möglich sein. Die Photonik wird maßgeblich zu mehr Umweltschutz z.B. in der Landwirtschaft beitragen können. 

Ein momentan wenig beachtetes Geschäftsfeld, das aber viel Wachstumspotenzial hat, ist „Unterstützung für die alternde Bevölkerung“. Die demografische Entwicklung zeigt, dass die Gesellschaft immer älter wird, aber nicht unbedingt gesünder. Unterstützung etwa durch seniorengerechte Fahrerassistenzsysteme, Smart Lighting für ein sicheres Zuhause bis hin zu der Entwicklung von Exoskeletten für körperlich eingeschränkte ältere Menschen sind denkbar und haben sicherlich einen wachsenden Markt.

Wo sehen Sie Deutschlands Rolle in internationalen Branchenwettbewerb? Welche Auslandsmärkte sind für die optischen Industrien derzeit am wichtigsten?

Deutschland ist im internationalen Branchenwettbewerb sehr gut aufgestellt. Der Marktanteil Deutschlands am europäischen Photonik-Markt beträgt rund 40 %, am Weltmarkt etwa 6 %. Deutsche Unternehmen exportieren allen voran in die USA und in die Volksrepublik China. Mit etwas Abstand folgen die Niederlande, Frankreich und Italien als Absatzmärkte. (Trendreport Photonik 2019/2020 Spectaris

Allerdings muss man sehen, dass durch die Coronakrise der gesamte Markt verändert werden kann. Die mittelfristigen Wettbewerbschancen deutscher Unternehmen werden sicherlich dadurch beeinflusst, wie gut die Regierung die Unternehmen unterstützt, Liquidität sichert und hilft, Insolvenzen abzuwenden. Kluges und planvolles Agieren von staatlicher Seite wird den deutschen Unternehmen helfen, im internationalen Vergleich in der „Nach-Corona-Zeit“ ganz vorn dabei zu sein und zu bleiben.

Wie beurteilen Sie die Innovationskraft der Branche? Gibt es eine vitale F&E-Landschaft und viele Start-ups oder Ausgründungen oder sehen Sie hier Förderbedarf?

Photonik Start-ups mit eigener Produktion haben es sicher schwerer als z.B. Start-ups der Digitalbranche. Daher gründen viele im Umfeld der Universitäten und Fraunhofer Institute Spin-offs aus, um deren Infrastruktur in der Anfangsphase noch nutzen zu können. Es gibt mit der KfW-Förderung, dem EXIST-Programm und dem Hightech-Gründerfonds - um nur einige zu nennen - gute Möglichkeiten, um in Deutschland Startkapital zu erhalten. Aber natürlich sind Hürden für diese Starthilfe vorhanden. Wären diese Hürden niedriger oder Venture Capital Geber risikofreudiger, wäre es sicher für Manchen leichter, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

Die Innovationskraft der Branche ist generell sehr hoch, was sich in einer hohen F&E Quote ausdrückt. Diese liegt bei etwa 9% und damit deutlich über dem Durchschnitt im Vergleich zu anderen Branchen.

Der Laser feiert dieses Jahr seinen 60. Geburtstag. Welche Meilensteine der Lasertechnologie fallen Ihnen spontan ein?

Das Laserschwert von Luke Skywalker…

Im Ernst: Nach einem etwas schleppenden Beginn ist die Geschichte des Lasers nicht arm an technologischen Fortschritten und Entwicklungen, die mal mehr mal weniger offensichtlich unser Leben beeinflussen oder beeinflusst haben. Als Beispiele kann man hier die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Lasern in der Medizin sehen - von Mikrochirurgie über die Behandlung von grauem Star bis hin zur Photodynamischen Therapie. Aber auch ganz einfach den CD-Spieler, mit dem die optische Datenspeicherung den Massenmarkt erreichte. 

Sich da auf nur wenige Meilensteine festzulegen ist schwierig, aber große Bedeutung kam in den letzten Jahren sicherlich den VCSEL zu, die durch günstige Herstellungskosten und geringen Formfaktor gerade für den Bereich Unterhaltungselektronik interessant sind. Auch die Entwicklung von Ultrakurzpulslasern, die neue Möglichkeiten in der Materialbearbeitung und Medizintechnik ermöglichen, muss erwähnt werden.

Wie beurteilen Sie die zukünftige Relevanz der Quantentechnologie für die photonische Industrie?

Momentan befindet sich die Quantentechnologie noch in einer eher akademischen Phase. Auch muss man „die“ Quantentechnologie differenziert betrachten. In den Bereichen Quantenmetrologie und quantenbasierte bildgebende Verfahren sehe ich mittelfristig Anwendungspotenzial. 

Es gibt sicher noch viele Herausforderungen zu bewältigen, bevor wir die Quantentechnologie im Markt wiederfinden. Die Bundesregierung unterstützt diesen Schritt in Richtung Markt mit hohen Fördersummen, um der deutschen Wirtschaft im internationalen Wettbewerb auf diesem Gebiet eine gute Ausgangsposition zu verschaffen. Dass dabei andere Gebiete der Photonik weniger als bisher bedacht werden, ist in der Branche nicht unumstritten.

Abschließend gratuliere ich IVAM ganz herzlich zum 25 jährigen Bestehen und wünsche dem Verband auch in Zukunft gutes Gelingen!


 

Aus »inno« 75: https://www.ivam.de/news/inno/optische_technologien

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