21.06.2023

Kurzfaserverstärkte Kunststoffbauteile – Ist die Faserorientierung an Bindenähten geometrieabhängig?

Ergebnisse von Voruntersuchungen aus Füllsimulationen zur geometrieabhängigen Faserorientierung an einer Bindenaht
Quelle: KUZ Leipzig
21.06.2023

Leichtigkeit und Stabilität – beide Eigenschaften in einem Produkt zu vereinen ist die Königsdisziplin im Leichtbau. Sie erfordert sorgfältige Materialauswahl, optimierte Konstruktionen und fortschrittliche Fertigungstechnologien. Um Kunststoffe für Leichtbauanwendungen zu optimieren, kommen unter anderem kurze Glasfasern zum Einsatz. Kurzfaserverstärkte Kunststoffe zeichnen sich durch erhöhte Festigkeit, Steifigkeit und Dimensionsstabilität aus. Diese vorteilhaften Eigenschaften spiegeln sich in der industriellen Nutzung der Werkstoffe wieder: es gibt einen stetigen Zuwachs an strukturellen Bauteilen aus kurzfaserverstärkten Kunststoffen.

Bisherige Simulationsmethoden?

Der Projektverantwortliche Steffen Jacob, Entwicklungsingenieur am KUZ, fasst die Motivation zu GEO-FaserMap wie folgt zusammen: „Bisher werden die bei der integrativen Simulation eingesetzten Materialkennwerte fast ausschließlich aus Versuchen mit normierten Prüfkörpern gewonnen, mechanisch herausgelöst aus spritzgegossenen Platten. Leider existieren keine Untersuchungen, die den Zusammenhang zwischen der Geometrie eines Fließhindernisses, der sich lokal ausbildenden Faserorientierung und der an dieser Stelle vorliegenden Bindenahtfestigkeit klären. Unterschiedliche Faserorientierungen in Abhängigkeit der umflossenen Geometrie bedeuten unterschiedliche Festigkeiten.“

Um die Entwicklungskosten für spritzgegossene Bauteile möglichst gering zu halten, werden aussagekräftige Vorhersagemethoden bezüglich der Bauteilfestigkeit benötigt. Kenntnisse zur geometrieabhängigen Faserorientierung an Bindenähten können eine höhere Vorhersagequalität bezüglich vorhandener Festigkeiten ergeben. Über integrative Simulationsmethoden ist es heutzutage möglich, Bindenahtpositionen aus einer Füllsimulation in die Struktursimulation zu übertragen und dort die anisotropen (richtungsabhängigen) Werkstoffbeanspruchungen abzubilden.

GEO-FaserMap - geplanter Projektablauf

Schnellere und kostengünstigere Prototypen durch 3D-Prüfkörper

Im Projekt soll der Nachweis der Geometrieabhängigkeit mit der Untersuchung an eigens entwickelten 3D-Prüfkörpern mit provozierter Bindenaht erbracht werden. Hierzu werden an den Prüfkörpern die entsprechenden Materialkennwerte für ein Materialmapping ermittelt, welches die Grundlage für ein präziseres Belastungsmodell in der Struktursimulation bildet.

Ziel des Forschungsprojekts ist es, das Leichtbaupotenzial von kurzfaserverstärkten Kunststoffen optimal im Bauteildesign auszunutzen. Die Ergebnisse sollen den EntwicklerInnen von spritzgegossenen Formteilen helfen, diese beanspruchungsgerechter auszulegen. Die genauere Vorhersage der Bauteilfestigkeit im Anwendungsfall soll eine nachhaltige Formteilauslegung für einen langen Produktlebenszyklus ermöglichen. Die Anzahl der Iterationen bei der Formteilentwicklung bis zum fertigen Prototypen könnte somit deutlich reduziert werden.

Interessierte Firmen sind eingeladen bei diesem Forschungsprojekt zu partizipieren.

Kontakt: 
Steffen Jacob, KUZ Leipzig
jacob@kuz-leipzig.de

Empfohlene Artikel

13.09.2026

Die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR stellt Unternehmen vor zahlreiche praktische Fragen: Welche Anforderungen gelten für die eigenen Verpackungen? Welche Rolle nimmt …

11.09.2026

Vier Finalisten, zwei neue IVAM-Mitglieder und starke Technologien: Der Medical Manufacturing Asia Marketing Excellence Award rückte innovative Unternehmen ins Rampenlicht …

10.09.2026

Gemeinsam mit dem Quantentechnologie-Unternehmen Nomad Atomics entwickeln Forschende vom Fraunhofer IZM im Forschungsprojekt QuoGkA ein kompaktes Atomgravimeter, welches zukünftig aus …

Empfohlene Veranstaltungen

07.07. - 09.07.2027
Discover New Business Opportunities in Korea's Nanotechnology Market with IVAM
16.03. - 18.03.2027
Europäische Leitmesse für autonome Technologien & Robotik. Präsentieren Sie sich auf dem neuen IVAM-Gemeinschaftsstand!
03.03. - 05.03.2027
Entdecken Sie die Zukunft der Photonik mit IVAM